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Dienstag, 09.12.08

Geschrieben in Dezember 2008 von Daniela am 11 Dezember 2008

Barbados
Langsam kann ich es mir sparen zu schreiben, dass ich bei Tagesanbruch aufgewacht bin. Ich genoss den Balkon und die Morgendämmerung, das Meer und das Rauschen. Gegen 7 Uhr wurde auch Peter wach und wir gingen zum Frühstück. Heute gab es fast gar nichts am Früstücksbuffet, es fehlten kleine Löffel, Zucker für die halben Grapefruits, Schokolade für meine Milch, es gab keine Zitrone und auch keine “süssen Haufen” für Peter.
Dafür kam Land in Sicht, denn der Kapitän tutete. Bald darauf konnten auch wir die Umrisse von Land aus dem Dunst auftauchen sehen. Wir waren schon wieder in der Kabine, doch ich musste natürlich schauen, während Peter las. Barbados kam immer näher und gegen 9 Uhr konnten wir den Hafen erkennen. Allerdings war noch nicht auszumachen, was das seltsame Bauwerk am Hafen zu bedeuten hatte. Später erkannten wir, dass zwei weitere Kreuzfahrtschiffe im Hafen lagen, eines davon, die “Ocean Princesse” ein riesiges Teil, noch grösser und höher als unseres. Das andere war etwas kleiner. Kurz nach zehn Uhr lagen wir vertäut am Pier und packten unsere Sachen. Dann tappten wir Neulinge in die Falle und landeten im Stau. Wir hatten uns nicht versichert, ob die Ausgänge auch schon geöffnet waren und liefen auf Deck 1 Richtung Ausgang. Plötzlich waren sämtliche Gänge von Leuten verstopft und es ging eine ganze Weile nichts mehr. Wir überlegten schon, noch einmal in die Kabine zu gehen, als nach etwa zwanzig Minuten ein Ruck durch die Menge ging und es endlich vorwärts ging. Später erzählte uns Luis als erfahrener Kreuzfahrer, dass er von oben beobachtet habe, wie die Gangway ausgefahren wurde. Diese stand aber zu weit auf die Pier hinaus und die Busse konnten nicht mehr vorbei fahren. Die Gangway musste noch einmal eingefahren und verkürzt werden, was natürlich einige Zeit dauerte. Er und Doris waren schon am Eingang des Hafengebäudes, als wir endlich ebenfalls ausgespuckt wurden.
Da wir keinen Ausflug gebucht hatten, wollten wir auf eigene Faust mit einem Taxi an irgend einen schönen Strand. Kaum hatten wir das Hafengebäude mit den vielen Shops verlassen, stürzten sich Dutzende von Taxifahrern auf uns. Die ersten hundert liessen wir links liegen und schnappten uns dann einen weiter draussen. Wir verhandelten einen Preis von 6 Dollar pro Person und sollten dafür zu einem der Strände in Holetown gefahren werden. Unsere Verhandlungen wurden etwas in die Länge gezogen, als sich vier wahrscheinlich Italiener anschliessen wollten. Allerdings bestanden die darauf, dass der Taxifahrer sein Geld erst bekommen sollte, wenn er sie wieder abholt. Das ist etwas seltsam, denn es scheint auf der Insel Hunderte von Taxis zu geben, sehr unwahrscheinlich, dass man keins finden würde, um wieder zum Hafen zu kommen. Die vier nahmen dann auch ein anderes Taxi und wir konnten auch losfahren. Der erste Eindruck war gut und der Fahrer zivilisiert. Nach einer etwa zwanzigminütigen Fahrt mehr oder weniger entlang der Küste hielt unser Taxi. Wir gingen hinunter an den Strand und sofort waren ein paar coole Männer da, die alles Mögliche und Unmögliche anboten. Zuerst natürlich Sonnenschirm und Liegen - wir nahmen einen Schirm und eine Liege - danach der Reihe nach Angebote für Jetski, Schildkröten schauen, Schnorcheln, Schmuck, Aloe Vera und sogar Hasch.
Die meisten Typen waren Rastamänner oder Verschnitte davon und ziemlich cool drauf. Am besten spricht man hier jeden mit “hey men” an. Auch der kleinste Verkäufer wechselt zwei drei Sätze mit dir und wünscht dir nach erfolglosem Geschäft trotzdem einen schönen Tag und ein “nice to meet you”.
Peter und ich grübelten nach Schnorchel und Brille und hüpften in die Fluten. Übrigens war der Strand schon ziemlich schön. Etwas schmaler, als ich ihn mir vorgestellt hatte, an vielen Stellen wachsen Bäume und Palmen aber fast bis ins Meer hinein. Da wo wir waren gerade nicht, deshalb war die Entscheidung von Doris wegen des Sonnenschirms goldrichtig, sonst wären wir verbrutzelt. Der Sand war ganz weiss und sehr weich. Zwei Meter vom Strand war auch schon das erste kleine Riff und auch ein paar kleine Rifffische. Das Wasser übrigens wirklich sehr angenehm mit etwa 28°.
Peter schwamm dann gleich ein wenig weiter hinaus, denn etwa hundert Meter vom Strand entfernt sahen wir ein paar Katamarane mit viel Volk an Bord. Dort waren wohl jene, die Schildkröten sehen wollten. Deswegen schwamm Peter auch hinaus und tatsächlich sah er eine riesige Schildkröte.
Später schwamm auch Luis hinaus und auch er konnte eines der Tiere beobachten. Danach waren Doris und ich an der Reihe. Auch wir sahen ein riesiges Exemplar, allerdings nur verschwommen, denn meine Brille war angelaufen und das Wasser etwas trüb. Aber selbst über Wasser zeichnete sich das Tier als riesige runde Fläche neben oder unter uns ab. Zum Glück beissen die Viecher nicht.
Wir gingen noch das eine oder andere Mal ins Wasser, wimmelten einige Verkäufer ab, tranken einen kühlen, erfrischenden Rum-Punsch und es wurden verschiedene Spaziergänge den Strand hinauf und hinunter unternommen.

Eine einfach Busfahrt in die Stadt
Danach wollten wir langsam zurück und uns noch Bridgetown, die Hauptstadt ansehen. Doris und Luis hatten schon die Bushaltestelle ausfindig gemacht und wir wollten schauen, ob vielleicht sogar ein Bus kommen würde. Also gingen wir ein kurzes Stück den Strand hinunter und bogen dann auf die Hauptstrasse ab. Dort war auch die Busstation und wir mussten gar nicht lange warten, als ein gelber Bus herangerumpelt kam. Dort stand in dicken Lettern “B.TOWN”, was wir mit Bridgetown übersetzten. Der Bus hielt und wir stiegen ein. Er war ziemlich überfüllt und kaum waren wir drin, als der Fahrer auch schon wie ein Verrückter auf die Tube drückte, dass wir nur so herum flogen. Ist wohl nicht an der Tagesordnung, dass Touris den Bus benützen. Vielleicht wollte der Fahrer Eindruck machen, vielleicht ist es aber auch einfach der hiesige Fahrstil. Auf jeden Fall hatte ich weder Zeit ein Foto zu schiessen, noch mir um mein Leben Sorgen zu machen, denn ich musste sehen, dass ich keinen der sitzenden Fahrgäste übermangelte oder Schlimmeres. Zum Glück musste der Bus ab und zu mal anhalten, sonst wäre der wohl mit Bleifuss gefahren.
Der Bus, dessen beste Zeiten definitiv vorbei waren, knirschte in den nicht vorhandenen Stossdämpfern und bei jedem Schlagloch bekamen wir die volle Ladung ab. Nun muss man wissen, dass diese Hauptstrasse Richtung Hauptstadt eine ziemlich schmale, kurvige, vielbefahrene Angelegenheit ist. Der Fahrer nahm die Kurven aber im gleichen horrenden Tempo, dass ich dachte, er kippt gleich um. Allerdings hatte ich diesen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als schon die nächste Kurve kam und ich den nächsten Adrenalinschub verarbeiten musste.
Wahrscheinlich zur Beruhigung lief zum heulenden Motor Musik und das nicht zu knapp. Die Boxen, die im Bus befestigt waren, hatten sicherlich mehr gekostet, als der Bus noch Wert hat. Auf jeden Fall dröhnte es aus den Boxen und der Bass wimmerte in meinem Bauch. Himmel, wo waren wir hier gelandet. Nichts gegen die Musik, aber der Fahrstil oder beides in Kombination!
Wir mussten etwa zwanzig Minuten durchhalten. Unterbrochen wurde die Fahrt einmal, weil der Fahrer, natürlich mit quietschenden Reifen, plötzlich in eine Tankstelle abbog um kurz etwas Diesel nachzufüllen. Am Verhalten der anderen Insassen war nicht zu erkennen, dass diese Horrorfahrt irgend etwas spezielles war. Die haben Nerven!
Mit zitternden Knien und schwankend (als wir nach fast fünf Tagen vom Schiff stiegen, hatte es überhaupt nicht geschwankt), stiegen wir im Zentrum aus. Danke, liebes Universum, dass wir das überlebt haben. Somit hatte sich auch die Frage erledigt, ob wir vielleicht versuchen sollten, auf einer der Inseln mit dem öffentlich Bus eine Runde zu drehen. Nicht nur, dass man um sein Leben bangen müsste, man hat auch keine Hand frei, um Fotos zu machen. Deshalb fehlt mir leider auch ein Erinnerungsbild an diesen Bus. Ehrlich gesagt brauche ich dies auch gar nicht, diese Fahrt wird mir mein Lebtag in Erinnerung bleiben.
Wieder festen Boden untern den Füssen latschten wir einmal quer durch die Stadt. Danach trennten wir uns und Peter und ich suchten ein Internetcafe. Wir wurden schnell fündig und ich übertrug zuerst die Blogseiten, las die Mails, beantwortete ein paar und hatte dann Isabelle und Tino über Skype. Zu Hause alles in Ordnung, alle Hühner leben noch, nur das Auto springt manchmal nicht an. Also keine Probleme.
Als wir das Internetcafe verliessen, war die Sonne schon verschwunden. Wir machten uns auf den Weg zum Hafen und fragten vorsichtshalber, wie lange wir zu gehen hätten. Zehn Minuten - kein Problem.
Wir waren so gegen 18.15 Uhr auf dem Schiff und trafen uns mit Doris und Luis zum leider schon vollzogenen Sundowner. Danach hüpften wir ins Sprudelbecken und spülten uns den Staub der Strasse vom Körper. Danach nur noch Essen und den morgigen Tag besprechen.

Wetter
Schön und heiss, 32°.

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