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Mittwoch, 10.12.08

Geschrieben in Dezember 2008 von Daniela am 11 Dezember 2008

Grenada
Heute nacht fuhren wir nur mit etwa halber Kraft über das Meer von Barbados nach Grenada. An das Schlafen auf dem Schiff hatte ich mich jetzt schon gewöhnt, trotzdem war ich wieder beim ersten Morgengrauen wach und konnte auch schon die Insel ziemlich nahe sehen.
Nachdem ich eine Weile auf Land und Meer gestarrt hatte, so ab kurz vor sechs Uhr, warf ich auch Peter aus dem Bett. Wie üblich holten wir uns Frühstück, heute wieder zwei halbe Grapefruit und genossen die morgendliche Ruhe auf dem Achterdeck. Nur ein paar vereinzelte Menschen waren zu sehen. Als wir fertig waren, legten wir auf Grenada an. Ein riesiger Vogel kreiste um den Hafen. Peter meinte zuerst, es sei eine Seemöwe. Aber dafür hatte es einen viel zu langen Schwanz, vielleicht ein Fregattvogel? Während ich noch versuchte, ein Foto zu schiessen, kurvte ein anderes, graues Tier in der Luft herum. Dieses konnte ich eindeutig als Pelikan identifizieren.
Zurück in der Kabine machten wir uns landfein, schauten, ob schon Leute vom Schiff gingen und konnten so dem Gedränge von gestern entgehen.

Mietauto
Wie verabredet gingen wir ins Hafengebäude und wurden dort am Eingang mit Steelmusik empfangen. Auf direktem Weg gingen wir zum Informationsschalter und fragten nach Mietautos. Die Frau am Schalter rief sofort einer Vermieterfirma an und übergab Peter den Hörer. Es wurde vereinbart, dass in zwanzig Minuten jemand einen Wagen bringen würde. Wunderbar! Wir setzten uns und warteten. Es dauerte wirklich nicht lange, als ein Typ zu uns kam. Er führte uns zu dem Auto - ein fast neuer dunkelgrüner Suzuki Vitara mit vier Türen. Wir vereinbarten einen Preis von 53 Dollar für das Auto, er nahm die Daten auf, erklärte uns kurz das Auto und schwupps, waren wir für den Tag gerüstet. Das Problem war jetzt nur noch, dass auf dieser Insel, wie auch schon auf Barbados, Linksverkehr herrscht. Oh je. Zum Glück hatte der Wagen wenigstens Automatik, eine Sache weniger, auf die man achten muss. Ich liess vorsichtshalber auch Peter als Fahrer eintragen, denn weder er noch ich waren je links gefahren - das wird ein Spass!
Es war erst kurz vor neun Uhr und wir hatten schon einen fahrbaren Untersatz, besser konnte dieser Tag gar nicht beginnen. Nun mussten wir nur noch auf Doris und Luis warten, mit denen wir um 10 Uhr am Eingang verabredet waren. Wir stellten das Auto auf einen Parkplatz und gingen zum Eingang. Nun ging Peter noch einmal zurück zum Schiff um Doris und Luis mitzuteilen, dass die Sache mit dem Auto geritzt sei und sie so viel Gepäck mitnehmen konnten, wie sie wollten. Ich wartete derweil. Aber nicht lange, schon eine Viertelstunde später kamen alle drei und das Abenteuer auf der Gewürzinsel konnte beginnen.

Linksverkehr!
Peter hatte als Beifahrer die Gewalt der Karte und sollte uns lotsen. Ich musste mich schon ziemlich konzentrieren, um immer auf der “falschen” Seite zu fahren. Irgendwie erwischten wir dann eine falsche Abzweigung und umrundeten auf ziemlich steilen, engen Strassen einmal das Fort oder was davon übrig geblieben war. Dann fanden wir aber die richtige Strasse - wir wollten zum Grand Etang, dem Kratersee fahren, der die Insel mit Süsswasser versorgt. Heiligs Blechle, diese Insel ist ganz schön bergig, die Strasse über den Splügenpass eine wahre Autobahn im Vergleich hierzu. Zwar waren die Strassen asphaltiert und in einigermassen gutem Zustand, jedoch ziemlich schmal und meist ohne Mittellinie. Wenn man dann auch noch auf der vermeintlichen Gegenfahrbahn fahren muss, wird es doch ziemlich schwierig. Wir nahmen es gemütlich und ich hielt einfach vorsichtshalber an, wenn ich nicht sicher war, ob der Platz für zwei Autos reicht. Peter und Luis gaben dann auch erst lauthals Kommentare über meinen Abstand zur linken Strassenseite. Meistens säumten die Strassen nämlich Gräben, in die man besser nicht fährt, wenn man einen Achsbruch verhindern will.
Die Landschaft war einfach gigantisch, sozusagen eine grüne Hölle. Die ganze Hügelige Insel ist überwuchert von Farnen, Palmen, Muskatnussbäumen, Bananen, Jackfruitbäumen, riesigen Strelizien, Moosen und anderem Grünzeug. Oftmals war der Bewuchs so stark in die Strasse gewachsen, dass davon bald nichts mehr zu sehen war.

Grand Etang
Nach etwa einer halben Stunde Fahrt kamen wir an eine Stelle, wo einige Taxis und Kleinbusse standen. Wir waren richtig, hier war der Grand Etang. Dieser Tag scheint ein voller Erfolg zu werden, wir hatten unser erstes Ziel gefunden.
Wir bezahlten den Obolus von je zwei Dollar und konnten zu einem Aussichtspunkt spazieren, wir gingen sozusagen auf dem Kraterrand. Von oben hatten wir wunderbare Ausblicke auf die umliegenden grünen Hügel, den Kratersee und auf das Meer - herrlich. Der Weg zum Aussichtspunkt und alle Wege, die wir heute gingen, waren einfach sagenhaft, so was nennt man wirklich Regenwald. Viele Pflanzen kommen auch in Spanien vor, allerdings wachsen sie dort nicht so riesig, wie jene hier. Ungetüme von Strelizien, riesige Farne, ein Dickicht, dass die Sonne teilweise kaum durchkommt.
Wir spazierten danach hinunter zum See. Ein idyllischer Ort mit Blick auf die rund herum bis auf die Spitze überwucherten Hügel. Allerdings sieht man hier auch ein paar Schäden. Nämlich jene von Hurrikans. Ich habe einen Parkwächter gefragt und dieser erzählte, dass die nackten Baumspitzen das Ergebnis eines Hurricans vor etwa drei Jahren war. Er selber wäre nach London geflüchtet und habe gedacht, dass er hier nie mehr wieder leben könne. Alles wäre nackt gewesen, das ganze Grün futsch. Er sei sehr erstaunt, dass es nach drei Jahren schon wieder so grün sei. Es sei der Horror gewesen.
Die Menschen auf der Insel sind wiederum sehr nett und zuvorkommen. Wir hatten später noch öfter das Vergnügen, denn unsere Karte taugte gar nichts und wir mussten oft nach dem Weg fragen. Scheinbar gibt es vor allem im Landesinneren noch viele Analphabeten, denn es konnte uns kaum einer zeigen, wo wir uns gerade befinden. Aber ich greife vor.
Vom See aus gingen wir einen glitschigen Pfad hinauf und folgten dem Weg auf den Mount Qué Qué ein Stück weit. Dann drehten wir um und gingen zurück zum Parkplatz. Dort setzten wir uns auf einen Drink und Luis probierte einen einheimischen Rum. 75% Prozent, pries der Barman an. Ich probierte auch einen Schluck und erwartete das Schlimmste, war aber erstaunt, denn der Schnaps war überhaupt nicht kratzig und verbreitete einen guten Geschmack im Ganzen Rachen. Allerdings hatte ich auch nur einen winzigen Schluck probiert.

Concord-Falls
Nun ging die Fahrt weiter. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns, die Wasserfälle von Concord zu suchen, weil dort gleichzeitig auch Muskatnussplantagen sein sollten. Erstes Ziel, das Dorf Gouyave. Später fanden wir heraus, dass dies wohl das Wort für Guave sein muss, denn überall lagen diese Früchte auf der Strasse. Peter sammelte ein paar ein, denn wir dachten erst, es wären Muskatnüsse. Der gute Geschmack der Guaven verbreitete sich aber rasch im Auto und nun war der Fall klar.
Weniger klar war, wo der Ort Gouyave sich versteckte. Unsere Karte aus dem Touristenbüro war eine einzige Katastrophe. Ausserdem gibt es praktisch keine Verkehrsschilder, fast keine Hinweisschilder und auch keine Ortstafeln. Wir wussten also nie, wo wir uns befanden und mussten mindestens ein dutzend Mal, wie schon oben beschrieben, fragen.
Irgendwann hatte Peter dann das Gefühl, dass wir auf der richtigen Strasse seinen, denn endlich kamen wir den Hügeln, die wir überqueren sollten, um auf die andere Seite der Insel zu kommen, näher. Dann tauchte auch ein winziges Dörfchen auf, welches wohl Gouyave war. Eigentlich kann man auf dieser Insel fast nicht von Dörfern reden. Ausser der Hauptstadt St.Georges sind die Weiler so von Grünzeug überwuchert, dass man kaum ein Haus sieht. Sehr reizvoll.
Immer wieder hatten wir dann herrliche Sicht auf die Hügel und das Meer und fanden endlich auch die Concord-Falls. Eigentlich handelt es sich um zwei Wasserfälle, wir entschieden uns aber dagegen, die 45 Minuten bis zum zweiten Fall zu gehen, denn es war doch schon sehr viel Zeit vergangen. Also hüpfte Peter ins Bassin des unteren Falls, wir machten unsere Fotos und Peter bekam am Eingang (hatte natürlich auch pro Person 2 Dollar Eintritt gekostet), ein paar frische Muskatnüsse, die er zu Haus einpflanzen will.

Ausklang
Nun wollten wir noch einen Strand aufsuchen, doch entweder fanden wir keine Strasse oder der Strand war nicht genehm. Bliebe noch zu sagen, dass die Strasse an der Küste plötzlich ziemlich breit wurde, zumindest im Vergleich zu den Strassen in den Hügeln. Ausser dort, wo die Hauptstrasse plötzlich aufhörte und nur noch löchrige carraspitemässige Piste blieb.
Wir fuhren zurück in den Hafen, den wir ohne Umwege fanden. Ich meldete mich am Infoschalter und kaum zwei Minuten später kam schon unser Autovermieter und nahm seine Kutsche entgegen. Das hatte sich echt gelohnt und war ein gelungener Ausflug.
Nun genehmigten wir uns einen Drink auf einer ziemlich warmen Dachterrasse, dann verabschiedete sich Luis und ging zum Schiff, während Doris Karten schrieb und wir einen Bummel durch die Stadt machten. Wir betraten einen Supermarkt und schauten uns die hiesigen Lebensmittel an. Zucker gibt es hier in verschiedenen Süssegraden. Wir kauften eine kleine Flasche Rum - vom 40-prozentigen - und bummelten noch durch die Läden auf der Suche nach Souvenirs.
Am Ende füllten wir den Rum in die mitgebrachte leere Wasserflasche um und gingen zurück zum Schiff. Wir hatten gerade noch Zeit, unsere Sachen in die Kabine zu bringen (als ich die Balkontüre öffnete schlug mir 20° wärmere Luft entgegen - die Sonne stand genau auch unser Fenster), und gingen dann zu unserem Sundownertreff hinauf auf Deck 9 Mitte. Natürlich gab es Cola mit Rum oder Rum mit Cola, je nach Belieben.
Nach einem Sprung in den Whirlpool gingen Doris und Luis essen und wir verzogen uns in die Kabine. Dort übertrug ich die Fotos, duschte und schrieb am Tagebuch. Als es Zeit war, nämlich 21.30 Uhr, hatte ich hunger und trieb Peter an. Wir wollten heute mal wieder ins Restaurant - die Pizza ist zwar gut, aber jeden Tag! Also nahmen wir eine angebrochene Flasche Wein von unserem letzten Restaurantbesuch und stolperten in den Speisesaal. Plötzlich bemerkten wir, dass unser Tisch besetzt war. Na, so eine Frechheit! Hatten die unseren Tisch weitergegeben, weil wir drei Mal nicht zum Essen erschienen waren? Nein, natürlich nicht. Der Kellner klärte uns auf, es sei erst 20.30 Uhr und wir wären eine Stunde zu früh. Schöne Blamage, wir also wieder abgedackelt. Später fand ich heraus, dass ich vergessen hatte, den Computer die letzte Stunde zurück zu stellen und dieser also wirklich 21.30 Uhr angezeigt hatte.
Na ja, also eine Stunde warten und hungern. Die war aber auch schnell um und wir nahmen den Weg zum Restaurant auf Deck 2 und 3 noch einmal unter die Füsse. Der Kellner grinste schon, als er uns sah. Heute war italienischer Abend und es gab natürlich diverse italienische Spezialitäten. Nebenbei erklang italienische Musik. Als ich gerade beim Eis schlecken war, wurde die Musik plötzlich sehr laut und es wurde “O sole mio” gespielt. Die Italiener stimmten natürlich sofort ein und innerhalb von Sekunden schwenkte der ganze Saal die Servietten. Grosses Gejohle als das Lied fertig war und es folgte ein italienischer Walzer “Thats Amore”. Nun schnappte sich jeder Kellner eine Frau und tanzte mit ihr um die Tische. Danach kam eine Polonaise durch den ganzen Saal, bei der die Kellner natürlich zuvorderst liefen und einige lärmend (mit den Plastikdeckeln zum Warmhalten der Teller) herumwarfen oder wie Topfdeckel benutzen - ein Riesendurcheinander. Danach folgten zur Abkühlung noch ein paar italienische Lieder zum mitsingen, dann beruhigte sich das Ganze wieder.
Endlich konnte ich mein Eis fertig essen und wir hatten es sogar geschafft, die Flasche Wein auszutrinken. Wir gingen nach oben zu unserem Lieblingsplatz am Achterdeck und kaum zwei Minuten später gesellten sich Doris und Luis ein paar Minuten zu uns.
Peter quengelte schon und wollte ins Bett und wir gingen in die Kabine. Ich schmiss wieder den Compi an und schrieb Tagebuch.
Diese Insel hat uns allen sehr gefallen. Im Vergleich zu Barbados ist sie viel ruhiger, nicht so hektisch, weniger besiedelt, hügeliger und viel viel viel grüner. Die Menschen sind sehr nett, freundlich und einen Hauch weniger cool, als jene auf Barbados.

Wetter
Schön, heiss, mindestens 30° und ziemlich schwül.

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